Yuna lief den schmalen Waldweg hinter dem Dojo entlang.
Der Boden war weich vom Moos, über ihr rauschten die Blätter im Wind.
Überall war Leben.
Bienen summten zwischen den Blumen.
Vögel zwitscherten in den Bäumen.
Irgendwo rief ein Käuzchen.
Yuna ging entspannt weiter.
Doch plötzlich… wurde es still.
Das Zwitschern hörte auf.
Das Summen verschwand.
Der Wald klang anders. Leerer.
Yuna blieb stehen.
Sie wusste nicht sofort warum, aber ihr Gefühl sagte ihr, dass etwas nicht stimmte.
Also tat sie genau das, was sie im Training gelernt hatte.
Sie wurde langsamer.
Ihre Schritte wurden vorsichtig.
Sie hörte bewusst in den Wald hinein.
Yuna drehte nicht hektisch den Kopf. Stattdessen ließ sie ihren Blick ruhig über den Weg gleiten. Nach vorne. Zu den Seiten. Und besonders in ihre Augenwinkel.
Das nennt man peripheres Sehen.
Peripheres Sehen bedeutet, dass du Bewegungen und Veränderungen außerhalb deines direkten Blickfeldes wahrnehmen kann, ohne dass du den Kopf zu drehen musst. Der scharfe Blick in der Mitte unserer Augen – die sogenannte Fovea – deckt nur einen kleinen Bereich ab. Über 90 Prozent unseres Gesichtsfeldes gehören zum peripheren Sehen. Es hilft uns, Bewegungen früh zu erkennen, Abstände einzuschätzen und uns sicher im Raum zu orientieren. Das kannst du auch gut üben. Schau dir in deinem Zimmer einen Gegenstand an, und versuche die Gegenstände zu erkennen, die am weitesten rechts und links von dir aus liegen, zu erkennen, ohne die Augen oder den Kopf zu drehen.
Und genau dort bemerkte Yuna etwas.
Rechts im Gebüsch.
Ein ganz leichtes Zittern der Blätter.
Yuna beobachtete es erst mit ihrem seitlichen Blick.
Dann stellte sie ihre Füße stabil auf den Boden. Knie leicht gebeugt.

In diesem Moment sprang etwas aus dem Gebüsch und der kleine jungerFuchs Bao rannte über den Weg. Er war genauso überrascht wie Yuna.
Im Vorbeilaufen rief Bao fröhlich:
„Hallo Yuna!“
Und schon verschwand er wieder zwischen den Bäumen.
Yuna musste lachen.
Der Wald wurde wieder laut.
Die Vögel zwitscherten wieder.
Die Bienen summten wieder.
Sie ging weiter – aufmerksam, ruhig und mit offenen Augen.
Denn heute wusste sie wieder ganz genau, was Akira im Training meinte:
„Wer aufmerksam ist, erkennt Veränderungen früh.“
Was Yuna heute gelernt hat
- Veränderungen in der Umgebung bewusst wahrnehmen
- Wenn es plötzlich still wird, genauer hinschauen und hinhören
- Peripheres Sehen nutzen, um Bewegungen früh zu erkennen
- Erst beobachten, dann handeln
- Ruhig bleiben und mit Überblick reagieren





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